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Neues Zuhause für den Kindergarten Dorf
Umzug in die Seifenfabrik

Von der Klöppelspitzenfabrik über die Seifenfabrik Pässler und Schlachter über eine Musikschule bis hin zu einem beliebten sozialen sowie kulturellen Veranstaltungsort – die Seifenfabrik in der Bahnhofstraße hat im Laufe der Jahre viele verschiedene Rollen übernommen. Auch heute noch bietet das Areal Raum für das Infantibus, die Musikschule, Elternberatung, Polytechnische Schule Lauterach (Schule & Fabrik) und für Notwohnungen.
Nach umfassenden Umbauarbeiten, die im kurzen Zeitraum von März bis Ende Juli dieses Jahres abgeschlossen wurden, wird ab September 2025 ein Teil des Areals neu genutzt: Der Kindergarten Dorf (in Zukunft Kindergarten Seifenfabrik) freut sich auf seinen neuen, modernen und größeren Standort, der den Kindern mehr Raum für ihre Entwicklung, Familien mehr Betreuungsmöglichkeiten bietet und das historische Gebäude mit Leben füllt.

Die neuen Räumlichkeiten im Überblick
Die neuen Räume bieten großzügige Flächen, die perfekt auf die Bedürfnisse der Kinderbetreuung abgestimmt sind. Unter der Bauleitung von Jürgen Ropele, Bauamt-Mitarbeiter der Marktgemeinde, entstanden nun drei Gruppenräume, die mit einer Fläche von 49 m² und 56 m² großzügig Platz für die Kinder bieten. Zusätzlich gibt es einen Bewegungs- raum mit 52 m², in dem die Kinder ihrer Energie freien Lauf lassen können. Ein Teamraum von 17 m² bietet dem Betreuungspersonal einen Rückzugsort für Besprechungen und Vorbereitungen. Der Essbereich, der mit 22 m² ebenfalls großzügig dimensioniert ist, sorgt dafür, dass die Kinder ihre Mahlzeiten in einer angenehmen Umgebung einnehmen können. WC–Anlagen und Küche im EG sind Bestand.
Der Außenbereich ist besonders beeindruckend: mit 300 m² Außenbereich und einem zusätzlichen Spielplatz von 222 m² wird den Kindern viel Raum zum Spielen und Entdecken geboten.
Im Obergeschoss sind Räumlichkeiten für Schlafen und Sprachförderung vorgesehen. Es handelt sich um eine Wohnung mit 50 m², in der die Kinder während des Mittagsschlafs zur Ruhe kommen können. Hier sind ebenfalls ein WC/Bad und eine Küche schon vorhanden.

Moderne, nachhaltige Infrastruktur trifft auf Industriecharme
Besonders hervorzuheben ist, dass der Kindergarten in ein bestehendes Gebäude integriert wurde. Der komplette Innenausbau ist rückbaubar und sämtliche Materialien können wiederverwendet werden – ein klares Statement für den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen. Auch der Industriecharme des Gebäudes wurde bewusst beibehalten. Dass Fenster von der Säge eingebaut wurden, trägt ebenfalls zur einzigartigen Ausstrahlung bei.
Die Ausstattung des Gebäudes wurde mit Blick auf Komfort und Nachhaltigkeit optimiert. Im Gruppenraum 3 sorgt eine Fußbodenheizung für Wärme, während in den übrigen Räumen neue Heizkörper installiert wurden. Die Heizungs- und Energieversorgung ist auf dem neuesten Stand, um den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden.
Die nachhaltige Bauweise und die Integration des Kindergartens in ein Bestandsgebäude standen für uns im Mittelpunkt. Dank guter Planung und Zusammenarbeit konnten wir das Projekt in kürzester Zeit realisieren.
Jürgen Ropele, Bauleiter der Marktgemeinde Lauterach

Das Angebot im neuen Kindergarten
Der Kindergarten Seifenfabrik bietet künftig eine Ganztagesgruppe sowie eine Regelgruppe an. Außerdem gibt es eine dritte Gruppe mit verlängerten Öffnungszeiten am Morgen, die zugleich als Integrationsgruppe fungiert. Damit können die Bedürfnisse von Kindern mit unterschiedlichen Entwicklungsstufen besser berücksichtigt werden.
Mit dem Umzug in die Seifenfabrik öffnet der Kindergarten Dorf ein neues Kapitel, das sowohl den Kindern als auch den Betreuer:innen neue Perspektiven bietet.

Exkurs: Die Geschichte der Seifenfabrik
Seit 1912 nimmt das Fabrikareal in der Bahnhofstraße eine zentrale Rolle in der wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung der Marktgemeinde Lauterach ein. Das heute als Seifenfabrik bekannte Gebäude, früher Pässler und Schlachter, wurde im Laufe der Jahre unter anderem als Produktionsstätte für eine Klöppelspitzenfabrik (1912–1925) genutzt, bevor Richard Pässler und Kurt Schlachter die Fabrik 1935 pachteten und am 1. Januar 1936 einen neuen Standort der Vorarlberger Seifenfabrik Pässler & Schlachter in der Bahnhofstraße eröffneten. Erzeugnisse der Seifenfabrikanten wie das Waschmittel Perzon, die Waschpulver Hausschatz und Elefant wurden in ganz Österreich vertrieben. 1945 kamen Richard Pässler und zwei Mitarbeiter bei einem Tieffliegerangriff auf das Werksgelände ums Leben und das Unternehmen verlor damit einen Gesellschafter. Anfang der 80er-Jahre wurde der Betrieb schrittweise eingestellt. Nach der Stilllegung ging die Seifenfabrik in den Besitz der Marktgemeinde über. 1990 bis 1991 wurde das Gebäude vom Architekturbüro Helmut Kuess umfassend umgestaltet.
Seitdem war die Seifenfabrik ein beliebter Veranstaltungsort. Heute bietet das Areal weiterhin Platz für das Infantibus, die Musikschule, die Elternberatung, die Polytechnische Schule Lauterach sowie für Notwohnungen. Mit September 2025 wird zusätzlich der Kindergarten Dorf seinen neuen Standort in der Seifenfabrik beziehen und von den modernen Räumlichkeiten sowie der zentralen Lage profitieren.
Quelle: Elmar Fröweis (2018): Aus dem Dorfgeschehen Lauterachs, S. 136 Marktgemeinde Lauterach (1953): Heimatbuch Lauterach, S. 138