Agnes Meyer

Die Hebamme als Bergführerin


Hebammen sind Geheimnisträgerinnen, weil sich um das Ereignis der Geburt eines Kindes vieles eröffnet. Zuerst ist es die Mutter, die entbunden wird, und im Zuge dieser Begleitung macht eine Hebamme Bekanntschaft mit dem Neugeborenen, den Vätern und den Familien.

 

In mehr als drei Jahrzehnten hat die 73-Jährige Hebamme Agnes Meyer über 13.000 Frauen auf die Geburt vorbereitet und rund 6.000 Geburten begleitet. 24 Jahre war sie im Krankenhaus in Bregenz tätig. Ab 1983 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2005 als Chefhebamme.

 

 

Während ihres langen Berufslebens hat sich für Agnes Meyer in der Geburtshilfe vieles verändert. Ihrer Meinung nach nicht nur zum Guten. Die gebürtige Tirolerin ist ein Mensch mit sehr sensiblen Augen und einer markanten Sprache; vor allem auch wenn es um Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft, deren Umgang mit Kindern, mit Frauen und auch um die Erwartungshaltung gegenüber den Männern geht. Agens Meyer scheut sich nicht vor  klaren Worten… Sie selbst bezeichnet sich als „robust“.

 

Die Frauen sind das höchste Gut, betont die ehemalige Chefhebamme, weil sie Leben schenken. Die Geburt eines Kindes sei ein wunderbarer Vorgang, der im Laufe der Jahrzehnte durch medizinischen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklungen Veränderungen ausgesetzt sei. Frauen bekämen mittlerweile ihre Kinder immer später. Nicht zuletzt oft auch erst nach ihrer beruflichen Karriere. Dabei laste auf den Schwangeren dann ein großer Druck, damit alles gut geht.

 

Mit den digitalen Medien gebe es für Schwangere und für die Erziehung des Nachwuchses schwierige Einflüsterer. Gleichzeitig resultiere aus all den Einflüsterern eine nicht zu unterschätzende Verunsicherung. Umso mehr komme der Hebamme nach wie vor als Begleiterin und therapeutische Stütze eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu.

 

Agnes Meyer nimmt auch zur Frage der Abtreibung Stellung und hat dabei die finanziell minder bemittelten Frauen in den Blick. Insbesondere diese Frauen bräuchten eine entsprechende Beratung und Anlaufstelle. Gleichzeitig verurteilt die überzeugte Katholikin Agnes Meyer Demonstrationen gegen Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden. Sie fordert für diese eine Begleitung und fürsorgliche Betreuung, weil sie nach einem Schwangerschaftsabbruch oft psychisch sehr belastet seien. Als Hebamme trete sie im Fall einer Abtreibung für die freie Entscheidung von Frauen ein und  zudem merkt Agnes Meyer an, dass ihre Aufmerksamkeit allen Menschen in guten wie auch in schlechten Tagen gelte.