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Wertschätzung der Familienarbeit

Familienfrühstück

Familienarbeit als Beruf

Echte Wahlfreiheit durch finanzielle Gleichstellung inner- und außerhäuslicher Kinderbetreuung

„Eine Gesellschaftspolitik, die Familien schützt und ihnen sozial gesicherte Bedingungen bietet, leistet sich damit das optimale und möglicherweise einzig sinnvolle Programm zur Prophylaxe gegenüber den Verfallserscheinungen moderner Kindheit und Jugend, gegen Gewaltbereitschaft, Suchtanfälligkeiten und eine allgemeine Tendenz zu übermäßig egozentrischem Sozialverhalten. Kurzum, das Gelingen einer sozialen Kultur ist auf das frühe Glück der Kinder angewiesen.“ Zitat: W. Bergmann

Wir sprechen uns bewusst nicht gegen Fremdbetreuung und die Erwerbstätigkeit von Müttern aus. Unser Ziel ist es jedoch, eine Gleichstellung der außerfamiliären und der innerfamiliären Kinderbetreuung zu erreichen.
Wir sprechen hier in der Kleinkindphase immerhin von mind. 50% aller Frauen, die das betrifft. Es ist nicht einzusehen, dass außerfamiliäre Kinderbetreuung als Beruf anerkannt und bezahlt wird, hingegen Eltern, die sich bewusst dafür entscheiden, ihre Kinder überwiegend selber zu erziehen, nicht als berufstätig anerkannt und bezahlt werden.
Die überwiegende Mehrheit der Mütter möchte ihre Kinder, besonders in der Kleinkindphase, selbst betreuen (siehe Studie der AK 70%, vergleichbare deutsche Studien 80%). Der Wunsch nach Familie ist bei den meisten Menschen, auch der jungen Generation, ungebrochen vorhanden und sollte unterstützt werden. Die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit darf daher nicht auf Kosten der seelischen Gesundheit unserer Kinder und Überlastung der Frauen gehen.

Folgende Rahmenbedingungen müssen seitens der Familienpolitik geschaffen werden:

Familienarbeit als Beruf
Es ist ein Berufsbild „Familienarbeit“ zu erstellen. Durch Schaffung des Berufs „FamilienarbeiterIn“ entsteht Wertschätzung der innerfamiliären Kinderbetreuung, sowie Anerkennung in der Gesellschaft und finanzielle Unabhängigkeit. Gerade junge moderne Frauen möchten berechtigterweise gesellschaftlich anerkannt sein, daher brauchen sie einen Status der finanziellen Unabhängigkeit (aus der Resolution „Verantwortung für die Familie e.V. D-29525 Uelzen).
Den Wert der familiären Kinderbetreuung für die Entwicklung des Kindes aufzeigen: Kinder brauchen Familie, Liebe, Zeit und Mitgefühl. Familienarbeit muss jenen hohen Stellenwert bekommen, der ihr zusteht. Aufwertung der Erziehungs- und Beziehungsarbeit durch die Eltern, welche überwiegend Zuhause sind. Diese haben dadurch mehr Zeit für Kinder, Partner usw. und die soziale Kompetenz wird in jeder Hinsicht dadurch wieder gestärkt und das Familienleben rückt wieder mehr in den Mittelpunkt. Aufwertung der Hausarbeit, bessere und stressfreiere Lebensqualität für alle Beteiligten (z.B. Wohnlichkeit und Sauberkeit sowie bewusst gesunde Ernährung).

„Echte“ Wahlfreiheit ermöglichen durch finanzielle Gleichstellung der inner- und außerfamiliären Kinderbetreuung

  • Derzeit wird eine innerfamiliäre Kinderbetreuung von vielen Frauen / Mütter/ Eltern nicht in Erwägung gezogen auf Grund der finanziellen Situation. 70 % der Frauen würden gerne ihre Kinder selber betreuen (laut AK-Umfrage) ähnliche Studien in Deutschland sprechen gar von 80%.
  • Erst durch die „echte“ Wahlfreiheit bekommt die Familienarbeit die notwendige Wertschätzung und Unterstützung. Derzeit besteht eine krasse Benachteiligung bzw. Diskriminierung, wenn die Kinder innerfamiliär betreut werden.
  • Oft leben gerade diese Familien an der Armutsgrenze.
  • Innerfamiliäre Erziehungsarbeit ist mehr als ein Vollzeitjob, sie ist Zukunftsarbeit und Gesellschaftsarbeit. Diese hochwertige Leistung für unsere Gesellschaft muss offiziell anerkannt werden.
  • Durch eine „echte“ Wahlfreiheit wird die Bereitschaft zu Familie und zu mehr Kindern gefördert, damit auch langfristig der Generationenvertrag erfüllt werden kann.
  • FamilienarbeiterInnen erziehen die Pensionszahler der Zukunft, erhalten aber selber keine Pension. Wir fordern daher einen Gehaltsausgleich der den Kosten einer außerhäuslichen Betreuung entspricht, mit Pensions- und Krankenversicherung wie bei jeder anderen Erwerbstätigkeit.
  • Durch die Direktzahlung an die (meist) Mütter entstehen keine Mehrkosten, sondern weniger Verwaltungskosten, überschaubare Geldflüsse und weniger Folgekosten.
  • Wir fordern Kostenwahrheit von inner- und außerfamiliärer Kinderbetreuung im Sinne der Gegenüberstellung der Kosten eines Familiengehaltes und der Kosten für sämtliche Familienzuschüsse inklusive aller Folgekosten.

Durch dieses neue Berufsbild erhöht sich die Anzahl der Versicherungseinzahler. Es werden neue Arbeitsplätze geschaffen, was zu einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt führt. Viele Frauen arbeiten oft nur deshalb, weil sie sonst nicht über die Runden kommen, und oft mit schlechtem Gewissen, wenn unversorgte Kinder Zuhause sind. (Auszug aus der Resolution aus Uelzen, Deutschland).

Elternbewusstsein
Eltern, die Wahlfreiheit vorfinden, können die Bedürfnisse der Kinder besser wahrnehmen und entscheiden, welche Form der Kinderbetreuung für sie die Bestmögliche ist.
Die Bedürfnisse der Familie können oft nicht mehr wahrgenommen werden, da eine Mehrfachbelastung und Überforderung der Eltern ( überwiegend der Mütter ) gegeben ist. Krankheiten, Burn-out und ein Schlittern in die Armutsfalle nehmen immer mehr zu.

Die Erziehungsarbeit wird vermehrt an Kindergartenpädagoginnen und LehrerInnen übertragen. Durch kompetente Eltern findet die Vermittlung von Werten und sozialem Wissen statt, die seelische und körperliche Entwicklung wird dadurch gefördert und gestärkt und einer Verwahrlosung vorgebeugt.

Keine Entmündigung der Eltern, die Verantwortung für Familienarbeit muss – bis auf Ausnahmen - immer bei den Eltern bleiben.

Während Geburtsvorbereitungskursen vermitteln von Elternbewusstsein und Kenntnissen für die Familienarbeit (Kinderpflege, gesunde Ernährung, Psychologie, Krankenpflege, eigene Werte erkennen und vermitteln) im Sinne von Elternbildung. Zusätzlich in den Schulen und Ausbildungsstätten Kindern und Jugendlichen frühzeitig den Wert der Familie vermitteln. Das sind Lernfelder, die im Ausbildungskanon kaum vorkommen, die aber angesichts des fortschreitenden Verfalls von sozialem Wissen und Bewusstsein dringend notwendig sind.

Schaffung von Dienstverhältnissen für Eltern-Kind GruppenleiterInnen wie bei SpielgruppenbetreuerInnen und Kindergartenpädagoginnen und Förderung dieser im Sinne der Netzwerk- und Bildungsarbeit. Diese Eltern-Kind Gruppen sind oft erste Kontaktstellen und leisten wichtige Unterstützung bei der Familienarbeit (Präventivmaßnahme gegen Überforderung der Eltern, Hilfestellung bei Problemen, Förderung von Erfahrungsaustausch, Elternbildung, Integrationsmöglichkeit in der Gemeinde, Kontakt unter den Eltern usw.)

Lobby für die Bedürfnisse und das Wohl der Kinder schaffen
Die Bindungsforschung lehrt seit 50 Jahren, dass Intelligenz, soziale Kompetenz, Mitgefühl, Leistungsfähigkeit, gegenseitiger Respekt und ein glückliches Leben ohne frühkindliche Bindung nicht ausreichend ausgebildet werden.
Das Wissen über die früheste Entwicklung der Kinder, über die Phase, in der die Bindung zwischen Eltern und Kind, deren Liebe und Halt als Fundamente des kindlichen Selbst gelegt werden, muss öffentlich bewusst gemacht und auf allen relevanten Ebenen berücksichtigt und vermittelt werden. Bei der Krippen-Debatte müssen die Erkenntnisse der Gehirn- und Bindungsforschung, sowie die Information über die Folgen einer frühen Trennung von der Mutter unbedingt mit berücksichtigt werden.

„Die anhaltende Entbehrung mütterlicher Fürsorge - bzw. einer sonstigen positiv- konstanten Bezugsperson - kann für das kleine Kind schwerwiegende und weitreichende Auswirkungen auf seinen Charakter und damit auf sein gesamtes zukünftiges Leben haben.“ (Bowlby 1951)
In Anbetracht der Erkenntnisse, wie notwendig frühkindliche Bindungen sind, müssen die Eltern die Möglichkeit haben zu entscheiden, wie lange das Kind durch einen Elternteil betreut werden soll. Aus dieser Entscheidung dürfen keine Nachteile für die Familie entstehen. Durch das momentane System werden derzeit jene Eltern diskriminiert und finanziell benachteiligt, die sich dafür entscheiden, nach der Zeit des Kindergeldbezuges ihr Kind überwiegend selbst zu betreuen. Initiative „Kinder in die Mitte“ - eine sehr begrüßenswerte Initiative des Landes! Neben dem Ausbau der Kinderbetreuung auf der einen Seite wünschen wir im Sinne der „echten“ Vereinbarkeit zudem die Bereitstellung eines tragfähigen pensionsrechtlich abgesicherten Familieneinkommens, damit Eltern nicht die billigste, sondern die beste Form der Kinderbetreuung wählen können. Wenn das „Wohl des Kindes“ wirklich im Mittelpunkt steht, dann wird Politik und Gesellschaft auch Wege finden, dies umzusetzen! Es braucht eine ständige Anpassung von Rahmenbedingungen, die für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen erforderlich sind. Wo anders als in der Familie können Kinder und Jugendliche Leben lernen? Durch ein Familiengehalt wird präventiv die soziale Integrationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen ermöglicht und können Folgekosten für unsere Gesellschaft eingespart werden. „Ein Land ohne Kinder hat keine Zukunft. Ziel einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Familienpolitik muss es sein, Mut zur Familie und Mut zum Kind zu machen. Das bedeutet, für jene politischen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu sorgen, die es der jungen Generation ermöglichen, den Wunsch nach Familie und Kindern zu realisieren, in die Erziehung von Kindern zu investieren, Familie und Generationensolidarität zu leben und Fürsorge für andere als Teil der eigenen Lebensperspektive zu betrachten.“ (Aus dem Forderungsprogramm des Katholischen Familienverbandes) Durch die von uns geforderte Chancengleichheit wird ein völlig frei wählbarer Weg geschaffen, der bei richtigem Einsatz der Mittel und der von uns geforderten, gesetzlichen Vorgaben eine gerechte Gleichbehandlung von Frauen und Männern herbeiführt. Diese Bürgerinitiative wurde erarbeitet von einer Vielzahl engagierter, betroffener Frauen. Katharina Pfanner, Manuela Vogel, Monika Greussing , Christel von der Thannen, Helga Frühwirth, Emma Fechtig, Christine Marcadella, Gerti D‘ Errico, Norbert Bolter ….

Lauterach, Mai 2009 / April 2015